Steam: erdrückende Dynamik

Vor gut vier Wochen machte es ein US-amerikanisches Unternehmen vor: Online-Pricing at its best.

Das Unternehmen Steam betreibt eine Plattform, auf der man Computerspiele lizensiert und herunterlädt. Mit einem Klick ist ein Programm gekauft, ausgeliefert wird statt einer DVD nur noch ein Download. Soweit, so einfach.

Im diesjährigen Steam Summer Sale 2012 machte Steam nun vor, wie man mit dem Digitalgeschäft die Konkurrenz auf der grünen Wiese alt aussehen lässt:

  • der Sommerverkauf lief in der Zeit vom 12. bis 23. Juli – der besten Sommerferienzeit in Deutschland
  • alle 8h wurden jeweils drei Produkte zur Wahl gestellt – während die Produktmanager der großen Ketten und ETailer im Urlaub verweilten
  • die Nutzer konnten darüber abstimmen, welches dieser Produkte eine Zeit lang rabattiert angeboten werden sollte – völlig unberechenbar für die Konkurrenz
  • 33% bis 75% Preisnachlass waren in dieser Zeit pro Produkt problemlos erreichhbar – aber stets nur für ein paar Stunden

Durch das breite Sortiment, die vielen Indie-Programme kleinerer Hersteller, das hohe User-Involvment und die krasse zeitliche Dynamik mussten selbst die Pricing-Profis bei Amazon passen. Tägliche Preisänderungen hätten sie wohl noch hinbekommen, doch alle 8h auf „gewählte“ Rabatte zu reagieren, war dann doch zu viel des Guten.

Für Softwarehändler wird Steam so zunehmend zum Problem. Da sich die Plattform nicht nur zum Verkauf sondern auch zur sicheren Produktlizensierung eignet, setzen viele Hersteller allein schon deshalb auf Steam, weil es hier kaum Raum für Raubkopien gibt. D.h., selbst wenn ein Programm über Amazon verkauft wird, braucht der User anschließend für die Nutzung der Software doch wieder Steam. Der Händler vor Ort und selbst der Großhändler im Web verliert so an Bedeutung.

Da Steam nicht nur Computerspiele, sondern ab 5. September 2012 auch Anwendungssoftware verkaufen will, sind Einzelhandel und Online-Händler gut beraten, sich klug zu positionieren. Völlig aussichtslos ist dieses Unterfangen beileibe nicht, denn Steam kämpft immer noch mit dem Makel, dass die Firma keinen Softwareverkauf nach deutschem Recht sondern lediglich eine Lizensierung durchführt. Der Kunde erwirbt also kein Eigentum an der Software. In der Konsequenz führt das derzeit dazu, dass gebrauchte Software nicht weiterverkauft und mitunter sogar per Knopfdruck entzogen werden kann.

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