Amazon ändert Preise mehrmals täglich

© Pavel Ignatov – Fotolia.com

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Ralf Kleber, seit 1999 Deutschland-Chef von Online-Händler Amazon hat vor wenigen Tagen in einem Interview mit der Rheinischen Post bestätigt, dass es bei vielen Produkten mehrmals am Tag zu Preisschwankungen kommt.

„Wir passen uns natürlich im dynamischen Umfeld an. […] Wenn wir das Gefühl haben, es entwickelt sich für den Kunden ein neuer Marktpreis, und das kann bei manchen Produkten mehrmals am Tag sein, reagieren wir darauf. Preise gehen rauf und runter – aber wir sagen es dem Kunden. Und zwar allen gleichzeitig.“ Amazon scheint damit den Regeln eines dynamischen Pricings zu folgen, wonach sich der Verkauf im bestmöglichen Fall an der individuellen Zahlungsbereitschaft eines Kunden orientiert und zumindest noch eine Mindestmarge garantiert.

Das Magazin Marktcheck des TV-Senders SWR hatte das Spiel mit den Preisschwankungen einmal genauer unter die Lupe genommen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Online-Riese besonders aktiv sei, wenn es um die Nutzung von Kundendaten für die eigene Preisbildung gehe. In einem Beispiel sei eine hochwertige Fotokamera mal für 1.700 €, etwas später gar nur noch für 700 € angeboten worden.

Dem Vorwurf, es existierten je nach verwendetem Endgerät unterschiedliche Preise für ein und dasselbe Produkt, widersprach Amazon jedoch.

Welche Erkenntnis bleibt?

Für Amazon-Kunden ist es nahezu unmöglich, sicher zu sein, wann sie den besten Preis bekommen und ob sie nicht in einer Stunde zu einem wesentlich günstigeren Preis zuschlagen können. Entweder sie kaufen und sind später möglicherweise verärgert und frustriert. Oder sie zögern. Hier sind wir an der Grenze des dynamischen Pricings angekommen. Amazon ist groß genug, das frustrierte oder enttäuschte Kunden problemlos kompensiert werden können. Der Konzern lebt von seinem Geschäftsmodell, beinahe alles liefern zu können, und der Kunde kann die Ware ja zurückgeben. Bei einer Imitation dieser Pricing-Strategie durch andere Händler ist Vorsicht geboten.

Empfehlung: Flexibles Pricing

Wir empfehlen, Preisschwankungen erklärbar zu gestalten und die Strategie am flexiblen Pricing auszurichten. Der Preis darf schwanken, selbstverständlich. Nur eine Anpassung an das Marktumfeld stellt sicher, dass Produkte weder zu billig verkauft, noch zu teuer angeboten werden und letztlich keine Marge verschenkt wird.

Aber: Preisveränderungen müssen für die Kunden nachvollziehbar bleiben, sonst verlieren sie das Vertrauen in den Händler (z. B. Weihnachtspreise, Jubiläumsangebote, Oster-Sale, Winter Special Offers etc.). Ein Produkt, das eben noch 1.700 € kostete, darf nicht im nächsten Moment nur noch weniger als die Hälfte kosten! Wer mit solch gewaltigen Preissprüngen arbeitet und die Erklärung schuldig bleibt, der darf sich nicht wundern, wenn der Kunde von seinem Rückgaberecht Gebrauch macht.

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