Der Amazon Dash-Button: Revolution im E-Commerce?

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© By Alexander Klink – Own work, CC BY 4.0 http://commons.wikimedia.org

Zunächst dachten die meisten an einen Aprilscherz, als Amazon am 1. April 2015 seine neueste Innovation vorstellte: den Dash-Button. Dabei handelt es sich um einen Knopf mit integriertem Funkmodul, der sich an Geräten, z. B an der Kaffeemaschine, aufkleben oder mittels eines Hakens befestigen lässt. Ob Toilettenpapier, Creme oder Rasierklingen – per Knopfdruck werden die entsprechenden Produkte automatisch nachbestellt, sobald ihr Bestand in die Neige geht. Abgewickelt  wird die Bestellung bequem über eine Amazon Smartphone-App.

Derzeit testet der US-Konzern sein Gadget mit ausgewählten Kunden seines Prime-Programms und etwa 250 Produkten, allerdings ausschließlich in den USA. Für die Nutzung verlangt Amazon lt. Wall Street Journal von den Herstellern 15 Dollar für jeden verkauften Dash-Button und weitere 15 % des Preises je verkaufter Produkteinheit.

Amazon blickt in die Zukunft

Erneut hat sich Amazon mit einer revolutionären Idee positioniert und treibt die Gestaltung des Internet der Dinge voran: Jenen Zustand, in dem der Computer vermehrt als Gerät verschwindet und durch intelligente Gegenstände ersetzt wird. Der Konzern denkt quer und das gefällt nicht jedem. Dabei ist auch besagter Dash-Button lediglich als Übergangsstufe zu verstehen. Längst ist der Online-Händler aus Seattle schon wieder einen Schritt weiter. So gibt es Überlegungen, den Dash-Button bereits in die Geräte zu integrieren oder diesen den Kaufprozesses sogar komplett zu überlassen. In diesem Fall durch autonomes Auslösen bei Erreichen einer bestimmten Untergrenze des Füllstandes.

Preis vs. Bequemlichkeit?

Verbraucherschützer und Kritiker bemängeln, dass der Preis im Augenblick des Knopfdrucks nicht angezeigt wird und befürchten, dass die Hersteller ihre Produkte mit bewusst günstigen Preisen bewerben, um diese dann im rechten Moment wieder anzuheben. Wer Amazons Preispolitik vertraut, den wird das nicht kümmern und der wird sich auch kaum an einem weiteren Kritikpunkt stoßen, wonach mit den Dash-Buttons die Angebote anderer Anbieter benachteiligt würden.

Etwas anderes ist im Zusammenhang mit dem Preis viel interessanter zu sein. Amazon geht offenbar davon aus, das der Preis bei bestimmten Produkten eben nicht das kaufentscheidende Kriterium für den Kunden darstellt. Der Mensch ist vielmehr ein bequemes Wesen. Er liebt seine Routinen und strebt nach permanenter Optimierung seiner Tagesabläufe. Auch oder gerade beim Einkauf. Immerhin: Vor allem bei den Gütern des täglichen Bedarfs wird das Einkaufen von gut einem Drittel der Konsumenten als lästig empfunden, wie eine Studie der GfK belegt. Mangel an Zeit und sog. Zeitstress werden als wichtige Gründe für das Sinken der Einkaufshäufigkeit genannt.

Mehr Offenheit gewünscht: Agieren statt reagieren

Man mag es gut finden oder bedauern, dass eine geradezu revolutionäre Idee wie der Dash-Button auf so simple Weise in Deutschland derzeit nicht funktionieren könnte. Bestellen per Knopfdruck ohne ausdrückliche Bestätigung des gesetzlichen Hinweises à la „Jetzt kostenpflichtig bestellen“? Undenkbar!

Fakt ist: Der allgemeine Wunsch nach Optimierung unter den Menschen ist groß. Mehr Experimentierfreude, mehr Mut und mehr Offenheit für Automatismen (z. B. auch beim Pricing), dafür weniger bürokratische Hürden oder gesetzliche Vorschriften, wären nicht nur wünschenswert, sondern zeitgemäß und notwendig, um bei der Gestaltung des „Internet of Things“ nicht den Anschluss zu verpassen.

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