Schutzimpfung für die Apothekerzunft

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„Wenn Medizin helfen soll, muss sie bitter schmecken“, sagt der Volksmund. Ob die bittere Pille, die unsere hiesigen Apotheker derzeit zu schlucken bekommen, tatsächlich der Beginn einer längst überfälligen Therapie ist, bleibt eine spannende Frage.

Die bittere Pille ist ein Urteil des EuGH: Mitte Oktober hat der Europäische Gerichtshof die deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel gekippt, zumindest für Versandapotheken aus dem Ausland. Für deutsche Versandapotheken sowie Apotheken vor Ort gilt dies indes nicht! Sie sind vorerst weiterhin an die Preisbindung nach deutschem Recht gebunden.

Es geht ein Ruck durch die Apothekerbranche

Nur leider führt er in eine vollkommen falsche Richtung. Der Sturm der Entrüstung seitens der Apotheker ist nachvollziehbar, ihre Forderung ist es nicht.

Richtig ist, dass jetzt der deutsche Gesetzgeber gefragt ist, denn es kann nicht sein, dass ausländische Versandapotheken durch europäisches Recht besser gestellt werden, indem sie satte Rabatte gewähren dürfen, während sich der deutsche Apotheker der Preisbindung unterwerfen muss. Hier besteht Handlungsbedarf!

Der Aufschrei der Apotheker  – mit freundlicher Unterstützung von Bundesgesundheitsminister Gröhe – war groß. Und wer bis hierher ohne Medikamente ausgekommen ist, benötigt spätestens jetzt welche. Man forderte allen Ernstes eine „Schutzimpfung gegen Wettbewerb“, sprich: der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten solle doch einfach verboten werden. Angesichts solch blanken Unsinns im digitalen Zeitalter des 21. Jahrhunderts verschlägt es einem kurzzeitig die Sprache.

Gejammer auf hohem Niveau

Machen wir uns nichts vor. Die Preisbindung – im Übrigen auch für den Apothekeraufschlag und die Packungspauschale – hat mit dazu beigetragen, das deutsche Apotheken-System in den Dornröschenschlaf zu legen. Die Umsätze der rund 20.000 Apotheker haben sich seit Mitte der 90er Jahre mehr als verdoppelt. Apothekenketten wurden verboten. Und ein erneutes Verbot soll nun einen drohenden freien Wettbewerb verhindern.

Unsere rezeptfreie Empfehlung: ein Grundkurs in Marktwirtschaft für alle Apotheker und Bediensteten im Gesundheitswesen!

Deutsche Apotheken hinken hinterher: wir brauchen neue Modelle!

Gute Beratung kostet Geld. Aus anderen Branchen wissen wir, dass schrittweise über alternative Zahlungsmodelle nachgedacht wird, z. B. in der Versicherungsbranche – weg vom Provisionsmodell zu einem beratungsorientierten Stundensatz.

Dass ein solcher Ansatz sinnvoll sein kann, weil die Abkopplung von Verkauf und Beratung Missbrauch einschränkt und Vertrauen schaffen kann, erkannte bereits der Stauferkaiser Friedrich II. Zwischen 1231 bis 1243 ließ dieser Gesetze erarbeiten, die erstmals auch die Trennung der Berufe Arzt und Apotheker vorschrieb.

In der Gegenwart stellt das sog. Abgabehonorar einen gewichtigen Einnahmefaktor dar. Pro Arzneimittel auf dem Rezept erhält der Apotheker ein fixes Honorar, mit dem letztlich der Beratung sowie der Erfüllung von Gemeinwohl-Aufgaben wie Nacht- und Notdiensten Rechnung getragen werden soll. Aber wird die Beratung dadurch besser? Die Notwendigkeit alternativer, besserer Modelle liegt auf der Hand.

Dass die deutschen Apotheken weniger innovationsgetrieben sind und in puncto unternehmerisches Denken weit hinterherhinken, illustriert die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung  in ihrem Beitrag vom 23.10. an einem schönen Beispiel. In Deutschland, so heißt es da, existierten viermal so viele Apotheken pro 100.000 Einwohner wie in Dänemark. Dennoch verfüge man dort über ein vorzeigbares funktionsfähiges Gesundheitssystem. Kompensiert wird die geringere Apothekendichte durch eine gemeinsame Internetplattform, auf die sich die dänischen Apotheker geeinigt haben. Dort können Kunden ihre Rezepte einsenden und Medikamente bestellen.

Preisbindung abschaffen! Mehr Wettbewerb wagen!

Das EuGH-Urteil ist eine Chance, den Apothekensektor grundlegend zu reformieren. Eine Schutzimpfung für die Apothekerzunft kann nur folgendermaßen aussehen: Der Gesetzgeber ist gefordert, die Grundlagen für einen natürlichen Wettbewerb zu schaffen und damit den Weg zu mehr Digitalisierung zu ebnen. Mehr Unterstützungsangebote, weniger Verbote!

Versandapotheken sind hier schon ein gehöriges Stück weiter. Aus unserer Erfahrung können wir von zahlreichen Kunden berichten, die als findige Unternehmer die digitalen Möglichkeiten längst für sich entdeckt haben. Zur professionellen Unterstützung ihrer strategischen Entscheidungen sind sie auch wesentlich offener gegenüber innovativen Preisbeobachtungstools wie preismonitoring.de. Über die Jahre ist hier ein inspirierender Wettbewerb entstanden, der vor allem den Patienten Vorteile bringt.

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