Revolution des Lebensmittelhandels – Cross-Channel-Absatz wird unentbehrlich

Pricingblog - Cross-Channel-Absatz

Bildquelle: Fotolia.com/ originalpunkt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Online Einkaufen ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Der PC wird hochgefahren und schon erstreckt sich die geballte Konsumwelt im eigenen Wohnzimmer. Mit einem Klick gelangen die materiellen Glücklichmacher in den virtuellen Einkaufswagen. Aber landet dort wirklich alles? Gelangen in diesen Wagen, neben Elektronik, Kleidung und Spielzeug, auch Lebensmittel und Drogerieprodukte? Derzeit muss diese Frage noch mit ‚kaum‘ beantwortet werden.

Dies wird sich zukünftig allerdings ändern – laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zum Cross-Channel-Absatz von Lebensmitteln, steht dem Handel ein absoluter Boom bevor. Bis 2020 soll der Marktanteil für Cross Channel, also verschiedene Absatzkanäle, bei 20 Prozent liegen und das reine Online-Geschäft auf 10 Prozent ansteigen.

Bei einem derzeitigen Online-Marktanteil von 0,3 Prozent mögen diese Prognosen ambitioniert klingen – doch bessere Angebote, sinkende Preise und der demographische Wandel machen es möglich. Schon jetzt wagen sich viele stationäre Lebensmittelhändler mit Social Media und Mobile Apps in das World Wide Web – durch Rabattaktionen und Loyalitätsprogramme wird so Kundenbindung betrieben. „Wer jetzt handelt, verbessert seine Position im insgesamt nur geringfügig wachsenden Markt. Internet wird zur Überlebensfrage“ – so formuliert es Dr. Wolf Wagner, Advisory Partner bei EY. Es gilt also, möglichst schnell auf den Zug aufzuspringen, bevor die großen Pure-Player wie Amazon & Co. auch diesen Bereich für sich beanspruchen.

Nischenanbieter wie mymuesli.de und hellofresh.de zeigen, dass der Online-Absatz von Lebensmitteln auch heute schon möglich ist. Was es bei der Umstellung auf den Online-Handel zu beachten gibt und welche Strategien sinnvoll sind, erfahren Sie hier.

Steam: erdrückende Dynamik

Vor gut vier Wochen machte es ein US-amerikanisches Unternehmen vor: Online-Pricing at its best.

Das Unternehmen Steam betreibt eine Plattform, auf der man Computerspiele lizensiert und herunterlädt. Mit einem Klick ist ein Programm gekauft, ausgeliefert wird statt einer DVD nur noch ein Download. Soweit, so einfach.

Im diesjährigen Steam Summer Sale 2012 machte Steam nun vor, wie man mit dem Digitalgeschäft die Konkurrenz auf der grünen Wiese alt aussehen lässt:

  • der Sommerverkauf lief in der Zeit vom 12. bis 23. Juli – der besten Sommerferienzeit in Deutschland
  • alle 8h wurden jeweils drei Produkte zur Wahl gestellt – während die Produktmanager der großen Ketten und ETailer im Urlaub verweilten
  • die Nutzer konnten darüber abstimmen, welches dieser Produkte eine Zeit lang rabattiert angeboten werden sollte – völlig unberechenbar für die Konkurrenz
  • 33% bis 75% Preisnachlass waren in dieser Zeit pro Produkt problemlos erreichhbar – aber stets nur für ein paar Stunden

Durch das breite Sortiment, die vielen Indie-Programme kleinerer Hersteller, das hohe User-Involvment und die krasse zeitliche Dynamik mussten selbst die Pricing-Profis bei Amazon passen. Tägliche Preisänderungen hätten sie wohl noch hinbekommen, doch alle 8h auf „gewählte“ Rabatte zu reagieren, war dann doch zu viel des Guten.

Für Softwarehändler wird Steam so zunehmend zum Problem. Da sich die Plattform nicht nur zum Verkauf sondern auch zur sicheren Produktlizensierung eignet, setzen viele Hersteller allein schon deshalb auf Steam, weil es hier kaum Raum für Raubkopien gibt. D.h., selbst wenn ein Programm über Amazon verkauft wird, braucht der User anschließend für die Nutzung der Software doch wieder Steam. Der Händler vor Ort und selbst der Großhändler im Web verliert so an Bedeutung.

Da Steam nicht nur Computerspiele, sondern ab 5. September 2012 auch Anwendungssoftware verkaufen will, sind Einzelhandel und Online-Händler gut beraten, sich klug zu positionieren. Völlig aussichtslos ist dieses Unterfangen beileibe nicht, denn Steam kämpft immer noch mit dem Makel, dass die Firma keinen Softwareverkauf nach deutschem Recht sondern lediglich eine Lizensierung durchführt. Der Kunde erwirbt also kein Eigentum an der Software. In der Konsequenz führt das derzeit dazu, dass gebrauchte Software nicht weiterverkauft und mitunter sogar per Knopfdruck entzogen werden kann.

Amazon bepreist Buch für $23.698.655,93

Automatisches Pricing außer Rand und BandPeter Lawrence rieb sich verwundert die Augen, als der Autor sein Buch „The Making of a Fly“ im April auf Amazon.com sah.

Der Versandhändler wollte das Fachbuch für etwa $5.000 verkaufen. Und als sei dies nicht genug, erhöhte sich der Preis in den nächsten Tagen schrittweise auf über $23.000.000. Was war geschehen?

Ein Buchhändler hatte sein Pricing statisch an Amazon gekoppelt. Sprich: Wenn Amazon $10 für ein Buch wollte, verlangte er $9,98. Der Plan funktionierte gut, bis ein weiterer Player auftauchte.

Die vollständige Story finden Sie im Web bei www.michaeleisen.org/blog/?p=358